Mittwoch, 6. Januar 2010

Im Koma wegen 'ner Tasse Kaffee!

Mein Laptop liegt im Koma. Und ich bin bin auch noch Schuld daran! Warum Kaffee nicht nur der Gesundheit schaden kann - und ich so lange nicht gebloggt habe.

Die Belgier trinken gerne mal einen... Kaffee! Ja, im Land der Biere kennt man tatsächlich auch noch andere Getränke als nur den Gerstensaft. Erst recht bei der klirrenden Kälte im Moment. Gestern hat das Thermometer minus zehn Grad angezeigt. Da verspürt man nicht nur die Lust auf lange Unterhosen, sondern auch auf etwas Heißes zum Trinken. Zum Beispiel auf Kaffee. Den lieben die Belgier wohl (fast) genauso wie ihr Bier. Nicht zuletzt wegen des obligatorischen Kaffeeklatsches!

Schon in Deutschland habe ich mir ab und zu einen Cappucino schmecken lassen. Und hier in Belgien trinke ich auch gerne mal täglich ein, zwei Tassen Kaffee. Ob das jetzt an meinem Willen zur bestmöglichen Integration in Belgien liegt oder doch eher daran, dass ich manchmal zu wenig geschlafen habe sei, jetzt einfach mal dahingestellt. Jedenfalls verspürte ich eines schönen Sonntagnachmittags enorme Lust auf einen Cappucino. In Jogginghosen saß ich ganz gemütlich in meinem kleinen Zimmer, schaute gerade Nachrichten auf meinem Laptop an und dachte an nichts Böses. Da passierte es: Mit einer unachtsamen Bewegung habe ich Trottel den kompletten Inhalt meiner Kaffee-Tasse über den PC gekippt. Peng! Kurzschluss! Mein Laptop ist ins Koma gefallen!

Das einzige Lebenszeichen, dass er seitdem noch von sich gibt ist ein grauenhafter Piepston wenn man ihn anschaltet. Ich dagegen habe in den folgenden Wochen nicht nur jede Menge (tatsächlich ernstgemeinte) Beileidsbekundungen aufgrund meiner unglaublichen Schusseligkeit bekommen, sondern auch gemerkt, was einem im Internetzeitalter so fehlt, wenn der Computer kaputt ist. Kaum zu glauben, aber das Ganze hatte auch tatsächlichVorteile: So viel Zeit für mich selbst habe ich lange nicht mehr gehabt...

Ab jetzt gibt's an dieser Stelle jedenfalls wieder regelmäßig Neuigkeiten aus Belgien. Demnächst auch mit Video! Für heute ist aber genug - ich brauch' jetzt erst mal 'ne Tasse Kaffee...

Montag, 16. November 2009

Warum kommt der Nikolaus in Belgien schon Mitte November?

Bereits vergangene Nacht war "Saint-Nicolas" unterwegs - und hat reichlich Süßigkeiten verschenkt. Aber wie lockt man ihn schon knapp drei Wochen vor Nikolaustag an?


Ein paar Brotkrümel liegen noch auf den Tellern. Und alle Zuckerstückchen hat er auch nicht gegessen. Naja, kein Wunder. Bei der Arbeit die der Nikolaus heute Nacht hatte. Erst durch den Schornstein in den Kamin quetschen und dann noch die Schuhe von knapp 20 Kindern füllen. Da hatte der Gute wohl keine Zeit mehr sich noch vor Sonnenaufgang den Bauch voll zu schlagen...

Nikolaus? Ja, richtig gelesen! In Belgien gibt’s nämlich nicht an Heiligabend Geschenke und Bescherung sondern schon am 6. Dezember. Mit einem vollbeladenen Schlitten reist „Saint-Nicolas“ dann von Haus zu Haus und lässt Kinderherzen höher schlagen. Um ihnen die Wartezeit bis dahin zu verkürzen sorgt er aber schon ein paar Wochen vorher für festliche Stimmung. Und vergangene Nacht war er dann tatsächlich auch im Kinderheim! Jede Menge Süßigkeiten hat „Saint-Nicolas“ den Kindern im Kamin zurückgelassen. Die Freude beim Aufstehen war riesig!

Ihr habt noch nix vom Nikolaus bekommen? Dann richtet doch einfach mal einen kleinen Teller mit Brot, Zucker- und Schokoladenstückchen und legt ihn in den Kamin. Vielleicht kommt „Saint-Nicolas“ ja dann auch mal mit seinem Schlitten aus Belgien zu euch geflogen. Süßigkeiten locken nämlich auch ihn an. Der Gute gibt es zwar wegen seinem enormen Bauchumfang nicht gerne zu – aber insgeheim ist auch er ein kleines Schleckermäulchen!

Donnerstag, 12. November 2009

Spannender als jeder Geschichtsunterricht

Was der Mauerfall 1989 mit den FSJ'lern in Belgien zu tun hat - und warum er plötzlich Thema beim Kaffeetrinken wird.
Es gibt Dinge, über die macht man sich ausgerechnet in Momenten Gedanken, die im ersten Augenblick total irrsinnig erscheinen. Denn eigentlich, hätte es schon viel passendere Gelegenheit gegeben sich damit auseinander zu setzen. Beispiel: DDR und Mauerfall. So komisch es klingt – aber gerade jetzt wo ich in Belgien bin, denke ich erstmals so richtig darüber nach. Klar, im Geschichtsunterricht in der Schule wurde darüber gesprochen. Und ein paar Filme habe ich auch schon gesehen. Aber ansonsten war das Thema für mich bislang doch eher belanglos. Warum werde ich dann ausgerechnet in einer Zeit, in der ich nicht in Deutschland lebe, damit konfrontiert?

Ich schenkte mir gerade eine Tasse Kaffee in der Küche des Kinderheims ein, als mich der Hausmeister fragte, ob ich denn heute eigentlich groß feiern würde. Erst schaute ich ihn fragend an, dann kapierte ich was er meinte: Heute war Montag, der 9. November, 20. Jahrestag des Mauerfalls. Naja, ich war damals vor 20 Jahren ja noch ein kleines Baby, das Ganze spielt für mich gar keine so große Rolle mehr, sagte ich und gab noch einen Schuss Milch in meine Kaffeetasse.

Ohne jetzt pseudo-philosophisch zu werden – aber als ich mir später das Ganze noch einmal durch den Kopf gehen ließ, kapierte ich, dass es mich doch mehr betrifft als ich dachte. Nicht nur in Deutschland. Auch hier in Belgien, merk‘ ich was davon. Zum Beispiel wenn ich an unsere FSJ’ler-Truppe denke, mit der ich fast jedes Wochenende irgendwo im Land unterwegs bin. Bunt gemischt, setzt sie sich unter anderem aus fünf Ungarn und Freiwilligen aus Ostdeutschland zusammen. Was die so von Erlebnissen ihrer Eltern zu Zeiten der DDR berichten können ist spannender als jeder Geschichtsunterricht! Da ärgere ich mich manchmal ein bisschen darüber, dass ich eigentlich weniger über die DDR-Zeit weiß als ich bislang dachte.

Deutlich ist mir das vor allem geworden, als am Montagnachmittags doch tatsächlich mehrere Kinder aus dem Heim auf mich zu gekommen sind, um von dem Deutschen etwas über den Mauerfall zu erfahren. Morgens in der Schule wurde bei einigen im Unterricht anlässlich des Jahrestages darüber gesprochen. Vor allem der damals eingeschränkte Konsum exotischer Früchte (Bananen) beschäftigte die Kleinen! Ich hätte nie gedacht, dass der Mauerfall in Belgien so ein großes Thema ist. Alle Zeitungen hatten ihre Aufmacher dem Jahrestag gewidmet. Und gleich drei Mitarbeiter des Kinderheims erzählten mir spontan von sich aus, welche Erinnerung sie an den Tag des Mauerfalls haben.

Vielleicht ist die Tatsache, dass man sich ausgerechnet fernab der Heimat mehr Gedanken über Themen macht mit denen man sich zuvor eher wenig beschäftigt hat ja gar nicht so irrsinnig. Vielleicht merkt man manchmal erst so richtig von welch großer Bedeutung bestimmte Dinge sind, wenn man sieht, auf welche Art und Weise man sich außerhalb Deutschlands damit auseinander setzt…

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Mamma Mia: Am Steuer zeigen Belgier italienische Ausgelassenheit

Wenn's in Belgien nicht im Schnitt an jedem dritten Tag regnen würde, könnte man fast meinen, man sei in Sizilien - zumindest was die chaotische Fahrweise vieler Belgier angeht.
Jetzt gibt's kein zurück mehr. Der VW-Bus steht mitten auf der Kreuzung. Andere Autofahrer hupen schon ungeduldig. Nein, mit dem Auto in Brüssel unterwegs zu sein ist nix für schwache Nerven! Gut, dass der junge Erzieher, der mit mir gemeinsam im Kinderheim arbeitet, die Ruhe in Person ist. Gelassen sitzt er am Steuer des blauen VW-Busses. Meine Knie zittern dagegen ehrlich gesagt schon ein bisschen!

Es ist Feierabend-Verkehr in Brüssel! Die Straßen sind voll. Und bei der Kreuzung in die wir eingefahren sind drängeln Autos, Busse, Straßenbahnen und Lkw aus sechs verschiedenen Richtungen. Von Ampeln ist an diesem Knotenpunkt - und das in Europas Hauptstadt wohlbemerkt - aber nichts zu sehen. Fahren, frei nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. "C'est la guerre" (etwa: "Das ist wie im Krieg") würde man auf Französisch jetzt sagen.

Obwohl: Die Belgier kommen mit dieser Art von Verkehrsregelung gut zurecht. Sie haben beim Autofahren sogar richtig Spaß (auch wenn das Foto, das einen belgischen Comic zeigt, dies auf den ersten Blick nicht vermuten lässt). Und im Gegensatz zu vielen deutschen Autofahrern achten sie nicht die ganze Zeit total verklemmt darauf, bloß keinen Kratzer in ihren frisch geputzten BMW-Lack zu fahren. Letztere hätten angesichts des Durcheinanders auf Brüsseler Straßen wohl schon längst einen Nervenzusammenbruch erlitten...

Nicht selten gilt: Augen zu und durch! Das Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen ist für viele nur ein Richtwert. Innerhalb kleinerer Ortschaften ist oft sogar Tempo 70 erlaubt. Und Zebrastreifen gelten als unnötige Straßenmalereien.

Vor allem letzteres darf ich jeden Morgen aufs Neue erfahren. Wenn ich die Kinder zur Bushaltestelle bringe halten die wenigsten Autofahrer von sich aus am Zebrastreifen an, zumindest sollte man darauf am Straßenrand warten. Um die Straße zu überqueren muss man selbstbewusst loslaufen - der nächste Autofahrer hält bestimmt (wenn auch nur gefühlte zehn Zentimeter vom Zebrastreifen entfernt). Als Dank winkt man als Fußgänger dem Wartenden dann noch freundlich zu. Immerhin hat man es ohne irgendwelche Blessuren auf die andere Straßenseite geschafft...

Eines ist jedenfalls weitaus sicherer, als über den Zebrastreifen zu laufen: Egal ob man als Auto-, Fahrradfahrer oder zu Fuß auf Belgiens Straßen unterwegs ist. Es sind auf jeden Fall Momente, in denen man die vielen Regentage schnell vergisst. Kein Wunder, der belgische Straßenverkehr erinnert schließlich - zumindest subjektiv gesehen - an den im sonnigen Sizilien!

Freitag, 23. Oktober 2009

So sieht jemand aus, der gerade ausversehen SCHNECKEN gegessen hat!

Warum sich ein ahnungsloser Tourist an der belgischen Nordseeküste nicht etwas Pommes oder Backfisch sondern ausgerechnet Schneckensuppe gekauft hat.
Dass man Leuten die einem freundlich zulächeln nicht sofort trauen sollte, bekommt heutzutage jedes Kind beigebracht. Dumm nur wenn ein, zumindest gesetzlich gesehen erwachsener Tourist, sich nicht daran hält: Als ich vergangenen Sonntag, gemeinsam mit Ines - die mich in Belgien besucht hat - zum ersten Mal an der belgischen Nordseeküste war, ließ ich mich doch tatsächlich von einer, auf den ersten Blick symphatisch wirkenden Suppenverkäuferin umgarnen. Die kleine Frau mit der blauen Schürze schöpfte an ihren Fischstand an der Strandpromenade der Küstenstadt Oostende dermaßen leidenschaftlich Suppe in die Schüsselchen ihrer Kunden, dass ich plötzlich auch totalen Heißhunger auf diese "Muschelsuppe" bekam. Zumindest dachte ich, es sei Muschelsuppe...

Obwohl ich mich noch über die großen Fleischstückchen in der pikanten Brühe wunderte, als ich mir auch eine Portion bestellte. Weil mir nach einem ersten herzhaften Bissen, diese vermeintlichen Muscheln aber einen etwas sehr merkwürdigen Nachgeschmack hatten (der richtig eklig war - um es auf den Punkt zu bringen...), schaute ich mir diese etwas genauer an. Was ich sah, lies mich erschaudern:

Ich hatte gerade große, fette
Schnecken in Gemüsebrühe gegessen!
Waaaaaaaaah!!!

Ich glaube, so viel Mitleid mit den Darstellern aus der RTL-Sendung "Ich bin ein Star holt mich hier raus" wie in diesem Moment, hatte ich noch nie. Fertig gegessen habe ich die Schneckensuppe ehrlich gesagt nicht mehr. Nur eines habe ich mir geschworen: Das nächste Mal entscheide ich mich für Pommes!